Schwester Jo Anne Kelly spricht uber die Ausbildung zur MMM Mission

Ausbildung zur Mission

Von Schwester Jo Anne Kelly MMM

Wenn sich eine junge Frau heutzutage dafür interessiert MMM beizutreten, dann steht sie erst einmal sehr lange mit uns im Kontakt, bevor sie dann wirklich in der Gemeinschaft lebt. Diese Phase dauert mindestens ein Jahr, sagt Schwester Jo Anne Kelly, die eine der Leiterinnen für Berufung für MMM in Nigeria war und die mehr als 30 Jahre im Bereich Ausbildung zur Mission gearbeitet hat. Die meisten der MMMs aus Nigeria, die mittlerweile erfahrene Missionarinnen sind, sind  zu einer bestimmten Zeit auf ihrem Weg unter Schwester Jo Annes Einfluss geraten. 

jo_anne_kelly1aGanz am Anfang der Vorbereitungszeit lernt eine junge Frau zuerst einmal uns kennen und wir lernen sie kennen. Dies geschieht durch Briefkontakt und Besuche in unserer Gemeinschaft. Normalerweise lädt sie uns zu sich nach Hause ein und dorthin, wo sie arbeitet oder studiert. Wenn eine junge Frau sich für ein Leben als Medizinische Missionarin Marias  entscheidet, dann wählt sie damit die MMM als ihre  erste Familie. Obwohl diese Entscheidung sie nicht emotional von ihrer Familie distanziert, müssen wir der Familie oft beistehen, den Entschluss, den ihre Tochter treffen wird, zu verstehen. Sie brauchen auch Hilfe dabei zu sehen, dass es in unserem Leben viele Unsicherheiten gibt, dass  es bedeuten kann, sich in gefahrvolle Situationen zu begeben, wenn man in Gebiete geht, die vom  Krieg erschüttert sind oder als Unruheherde bekannt sind.

Ein anderer sehr wichtiger Aspekt bei afrikanischen Familien ist ihnen dabei zu helfen zu verstehen, dass wir als Missionarinnen beerdigt werden, wenn wir gestorben sind. Wir handeln hier wirklich im Widerspruch zu der jeweiligen Kultur, wenn wir darauf bestehen und einige Familien haben große Schwierigkeiten dies zu akzeptieren, weil es so gegen ihre eigenen Traditionen verstößt.

MMM ist kein einfaches Leben!

Wenn die junge Frau immer noch an ihrem Entschluss uns beizutreten, festhält, dann wird sie zusammen mit anderen an Exerzitien teilnehmen, bei denen ein Hauptaugenmerk das Vertrautmachen mit dem MMM Lebensweg ist. Zu diesen Besinnungstagen kommen dann sowohl einige ältere MMM Schwestern als auch einige jüngere, die ihr Ausbildungsprogramm bereits begonnen haben, um bei der Einführung zu helfen. Wenn die Kandidatin und die Leiterin für Berufung denken, dass sie dazu bereit ist, denn wird ein Interview mit einem speziell dafür ernannten Gremium arrangiert. Manche würden dies als eine ziemliche Tortur bezeichnen. Der MMM Lebensweg ist aber kein einfacher und wir versuchen dies den Kandidatinnen von Anfang an klarzumachen. Außerdem wird sie darum gebeten, sowohl ein aktuelles medizinisches  als auch psychologisches Gutachten vorzulegen. Dies sind heutzutage die Voraussetzungen zum Eintreten in die meisten religiösen Orden. Viele schaffen es soweit und aus diesem oder jenem Grund gehen sie dann aber diesen Weg nicht weiter.

Natürlich ist die Welt und die Lebensweise von jungen Frauen heutzutage sehr viel anders als es in meinen jungen Jahren auf dieser Welt war. Als ich anfing, gab es in Familien noch viel mehr Disziplin, mehr Geborgenheit im Familienleben und die Werte in der Gesellschaft wurden weniger hinterfragt. Heute scheint es für junge Leute viel schwieriger zu sein, herauszufinden, was sie ihr Leben widmen sollen. Deshalb ist es also so wichtig sich Klarheit über die eigene Berufung zu verschaffen. Und wir helfen ihnen darum dabei, sich klarzumachen, ob sie wirklich ein Leben im Dienste Gottes suchen oder ob sie eine Form der Geborgenheit oder vielleicht Ausbildungsmöglichkeiten usw. suchen. Ich denke, dass jede Einzelne,  die sich heute für ein religiöses Leben entscheidet, eine sehr mutige Frau ist, denn sie muss so ein anderes Leben als ihre Altergenossen in Bezug auf Lebensstil, Ambitionen und Motivation führen.

Wonach wir in den jungen Frauen, die zu uns kommen suchen, ist eine Hingabe zu Christus, einen Einblick in Christus' Mission und ein starkes Interesse an der Mission der MMM- der Mission zu Heilen. Wir suchen nach einem Grad an Leidenschaft dafür- wenn auch noch so klein. Sie muss auch erkennen lassen, dass sie versteht, dass diese Lebensweise Opferbereitschaft verlangt, denn es bedeutet, dass man viel aufgeben muss.

Wir suchen nach einer Frau, die eine glückliche Grundeinstellung hat, und die die innere Freiheit besitzt, diesen Entschluss zu treffen. Natürlich muss sie aber erst einmal in diese Freiheit hineinwachsen. Das ist der Kern, worum es in dieser Anfangsphase des Ausbildungsprogramms geht.

Was macht MMM attraktiv?

Sie werden sich vielleicht wundern, warum sich junge Frauen dazu hingezogen fühlen, in unserer heutigen Welt dieses Opfer zu bringen. Was hat MMM zu bieten, um unser Leben für diese Frauen anstrebenswert zu machen?

Berufungen waren immer schon ein Mysterium. Junge Leute sind großzügig und wollen ihr Leben Gott und anderen schenken. Sie haben das Verlangen denjenigen zu helfen, die weniger privilegiert sind. Viele sind mit der Welt, so wie sie ist, nicht glücklich- dass die Armen so arm sind und dass es so viel Leid gibt- und sie möchten zur Veränderung beitragen. Sie erkennen, dass MMM ihnen einen Wirkungsbereich gibt, wo sie sich sinnvoll einbringen können.

Wenn junge Frauen in Nigeria in unsere Gemeinschaft kommen, kommen sie von einem traditionellen Hintergrund, sowohl in Bezug auf ihre Kirche wie auch auf ihre eigene Kultur. In unserem ersten Ausbildungsjahr, wenn wir uns mit menschlicher Entwicklung und der Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit beschäftigen, wenn wir uns mit den heiligen Schriften in anderer Weise als den von ihnen gewohnten befassen und lernen mit Gott anders in Verbindung zu treten, dann kann dies ihr ganzes Denken verdrehen und manchmal sogar auf den Kopf stellen. Es scheint dann, als erhielten sie eine ganz neue Sichtweise der Welt, auf Gott und sich selbst.

Enthusiasmus

In diesem ersten Jahr gibt es normalerweise einen enormen Enthusiasmus, eine Freude an all den neuen Entdeckungen. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben. Es ist so als ob sich jede Person für etwas öffnet, dass sie nie in sich selbst erwartet hätte. Von Horizonterweitern zu sprechen, reicht nicht aus um es angemessen zu beschreiben. Sie ist tatsächlich dabei, sich Gott gegenüber auf neue Art zu öffnen, sowie sich selbst, anderen Mitmenschen und deren Bedürfnissen. Dies geschieht mit allen auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichen Graden und es kann vorkommen, dass es auf dem Weg dorthin viele Kämpfe und Schmerzen gibt. Es erfordert viel Reflektion und Betrachten des eigenen Lebens, dessen, was in einem selbst vorgeht, wie man den Tag gestaltet, Reflektion über die Heilige Schrift und was Christus uns in unserem Leben mitteilt und bewirkt.

Sobald sie unserer Gemeinschaft beitreten, übernehmen die Frauen die Mitverantwortung für die Haushaltsführung, die Finanzen, den Einkauf, das Kochen, die Hausarbeit, Wartung und Farmwirtschaft. Sie arbeiten auch für einen längeren Zeitraum im Apostolat, entweder in einem unserer Krankenhäuser, Kliniken oder einem anderen Bereich der Arbeit, die MMM anbietet. Dadurch erhalten sie den Kontakt mit den Armen und allen anderen Bedürftigen aufrecht. Es erlaubt ihnen auch über ihre Erfahrungen zu reflektieren und welche Auswirkungen diese auf sie selber haben.

Außerdem gibt es auch noch Gruppenarbeiten. Diese beinhalten einen Grundbeitrag in den Bereichen wie Gebet, geistliches Vorlesen, Heilige Schrift, Katechismus und  christliche Erziehung mit Ausrichtung auf die Vertiefung des eigenen Glaubens und der Beziehung zu Gott. Es gibt eine Einführung in das religiöse Leben, die Geschichte der MMM und ein Verständnis des Charismas und der besonderen missionarischen Herausforderungen, denen wir uns stellen.

Bestandteil der Gruppenprozesse ist auch ein gegenseitiges Bewerten. Im Laufe des Ausbildungsprogramms lernen die jungen Menschen sich selbst miteinander  auseinanderzusetzen und zu hören, was sie einander sagen. Sie beurteilen sich auch selbst. Diese Frauen werden später die Führung in den Arbeitsbereichen, in denen sie tätig sein werden, übernehmen. Zu Beginn der Ausbildung entdeckt man bereits die natürlichen Führungspersönlichkeiten, aber auch die anderen müssen ermuntert werden. Jede hat Führungsqualitäten. Für mich war es wunderbar, an dieser Art von Arbeit beteiligt gewesen zu sein. Am meisten von allem hat es mich dazu herausgefordert, das was ich lehre auch selbst zu leben. Das war das größte Geschenk für mich für mein eigenes Wachsen.

 

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