Fragen zur Berufung einer MMM Schwester

Mein Hobby ist die Vogelbeobachtung

Schwester Marian Scena

marian_scena_tanzania1sm"Welche  Farbe haben seine Augenbrauen?", wurde ich von einer meiner Schwestern gefragt-etwas humorvoll und mit ein wenig Sarkasmus! Ihr war überhaupt nicht bewusst, wie wichtig diese Augenbraue im Bestimmen des Vogels, den ich gerade beobachtete, sein könnte. Ach die Missverständnisse, die man in der Wahrnehmung seiner Pflichten als Vogelbeobachterin  erleiden muss! 

Schon als ich ein kleines Kind war, hatten wir immer ein Vogelfutterhäuschen vor unserem Küchenfenster und meine Mutter hat uns immer auf die diversen Vögel, die uns besuchten, aufmerksam gemacht. Ich habe mich also immer für Vögel interessiert, ein  ernsthaftes Hobby wurde es aber erst als ich in Tansania ankam,  wo es eine unglaubliche Vielfalt an wirklich prächtigen Vogelarten gibt. 

Sobald ich mein erstes Fernglas angeschafft hatte, war ich total begeistert! Dann traf ich 1991 ein walisisches Paar, das in Singida arbeitete und diese stellten mich dann Liz und Neil Baker vor, ein in Tansania lebendes englisches Paar, das gerade einen Vogelatlas für Tansania zusammenstellte. Ich traf sie dann und sie lehrten mich dann eingehend, wie ich systematisch alle Vögel, die ich jeden Monat sehe, beobachten und erfassen kann. Das bedeutet, dass ich aufschreibe, wo ich sie sehe, wie viele und welche Arten ich sehe und ob sie gerade brüten oder nicht. 

Genauso wie ich gibt es viele andere Vogelbeobachter im ganzen Land, die jeden Monat darüber berichten, was sie gesehen haben, sodass die Einträge für die ständig wachsende Datenbank des noch nicht erschienenen Vogelatlas gesammelt werden können. Vogelbeobachtung macht sehr viel Spaß- ohne jeglichen anderen Beweggrund als die Bewunderung und Wertschätzung Gottes gefiederter Freunde. Aber die Tatsache, dass ich  auch noch zu einem bald veröffentlichten Vogelatlas beitrage, gibt mir zusätzlichen Antrieb. 

Ich empfinde die Vogelbeobachtung als einen wunderbaren Ausgleich zu meiner ärztlichen Missionsarbeit, die oft so beanspruchend und zeitaufwendig ist. Selbst wenn ich manchmal keine einzige freie Minute habe mich mit meinem Fernglas hinzusetzen, kann ich trotzdem verschiedene Vögel sehen, wenn ich gerade nach einem langen Tag im Krankenhaus nach Hause gehe. 

Ich glaube, dass die Tatsache, dass ich Ärztin bin und meine Beobachtungsgabe sehr gut entwickeln musste, mir dabei hilft, die verschiedenen Aspekte eines Vogels, die zu seiner genauen Bestimmung entscheidend sind, zu bemerken.  
 
Ich empfinde die Vogelbeobachtung als sehr fördernd für mein Gebet. Tatsächlich ist es wie ein Gebet. Ich verbringe Zeit wartend, ohne zu wissen ob ich etwas von Gott erfahren werde oder was es sein wird, aber dankbar dafür, was Gott mich sehen lassen mag. Wenn ich Vögel beobachte, bin ich ganz ruhig und warte, und nicht sicher, was ich sehen werde. Manchmal, so wie man auch im Gebet eine Durststrecke durchwandert, sehe ich gar nichts. Aber sehr oft erlebe ich wunderbare Überraschungen und sehe einen Vogel zum allerersten Mal oder ein für mich ganz neues Vogelverhalten. Und ich ertappe mich dann immer dabei, wie ich Gott für die Schönheit seiner Schöpfung um mich herum und für seine gefiederten Freunde preise. Gebet und Vogelbeobachtung gehören zusammen.

Wo ich auch hingehe bin ich aufmerksam und suche Vögel. Dadurch vergeht die Zeit auf langen Safaris auf schlechten Straßen viel schneller und macht sie viel angenehmer. Leider verpasse ich dann oft sehr viel, da ich den Fahrer nur ganz selten bitte, anzuhalten, damit ich einen Vogel genauer durch mein Fernglas beobachten kann, aber trotzdem bin ich noch in der Lage ungefähr 25% der Vögel, an denen wir vorbeifahren zu identifizieren.

Einmal im Monat an meinem freien Tag versuche ich zum nahegelegenen Mianji Staudamm zu fahren. Es dauert ungefähr 5-7 Stunden für einen sorgfältigen Marsch in beschaulichem Tempo. An solchen Tagen sehe ich meistens über 50 verschiedene Vogelarten um den Damm herum und noch weitere 10-15 verschiedene Arten auf dem Weg dorthin. Bisher habe ich 498 verschiedene Vogelarten in Tansania gesehen. Davon waren 122 in oder über dem Makiungu Krankenhaus. Ich bin immer wieder über die Vogelvielfalt selbst auf unserem eigenen Gelände erstaunt. Ich hatte bisher aber leider noch keine Zeit meine eigene Lebensliste aller Vogelarten, die ich in anderen Ländern beobachtet habe, aufzustellen. 

tanzania_birds1Jede/r, die oder der sehen oder hören kann, kann ein/e Vogelbeobachter/in werden. Eine sehr energievolle und abenteuerlustige Person wird mehr sehen, aber viel Energie ist keine Voraussetzung. Selbst wenn man an einen Rollstuhl gefesselt ist, kann man den Anblick und den Gesang der Vögel genießen. Es kann sich zu einem gelegentlichen Hobby oder zu einem tagtäglichen entwickeln. Ich hoffe, dass ich Ihr Interesse dazu geweckt habe, die Schönheit der gefiederten Freunde Gottes besser kennenzulernen.        

Drei prächtige Stare. Der in der Mitte ist ein Junges. Es hat noch keine goldenen Augen und auch noch kein weißes Band auf seiner Brust

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