Welche Frau hat den Mut MMM zu werden?

unamah-c1Diese Frage haben wir Schwester Bernadette Unamah (rechts) und Schwester Dervilla O'Donnell (unten) gestellt. Beide waren zu der Zeit für unsere zwei multikulturellen Noviziate verantwortlich, in denen heute junge Frauen in ihrer Wahl MMM als Lebensweg zu gehen, begleitet werden.

Schwester Bernadette Unamah ist sehr kompromisslos in ihrer Einschätzung darüber, was das Leben einer MMM bedeutet: „Sie müssen wirklich den Mut besitzen wirklich menschlisch und diszipliniert zu sein, und zwar in einer Gesellschaft, die zutiefst materialistisch eingestellt ist. Für eine Nigerianische Frau ist man nichts, wenn man kein Geld, Kinder oder ein eigenes Heim hat. Deshalb sind Selbstaufopferung, Disziplin und Bindung an einen Treueschwur für diejenigen, die ein Leben im Gelübde wagen."

Diejenige, die den Mut besitzt eine MMM zu werden, sollte eine Person sein, die sich an ihre wahre Identität als Frau heranwagt- verletzlich, arm und doch in vieler Hinsicht sehr reich. Eine, die bereit ist, Risiken einzugehen, an Gottes Gnade und ihre eigenen Fähigkeiten zu glauben. „ Sie ist jemand, die sich bemüht wirklich zu lieben und geliebt zu werden, die ein Herz für ihre Mitmenschen hat und sich mit den Armen und den an Rand der Gesellschaft Gedrängten solidarisiert.

"Als MMM muss man willig sein zu lernen und umzulernen, sich selbst immer wieder neu zu  informieren und so ein Gespür für die Zeichen unserer Zeit zu bekommen, damit man Prophetin für die Zukunftsentwicklungen sein kann. Sie muss jemand sein, die selbstständig sein kann, unabhängig ohne individualistisch zu sein."

dervilla_on_the_ladderSchwester Dervilla fügt hinzu: „Ich würde mir Frauen wünschen, die die Tugenden der Großzügigkeit und Bereitschaft leben, Frauen mit einer gewissen Selbstlosigkeit, die Gott zentriert sind- Frauen, die sich zu einem Missionsleben berufen fühlen und von Christus' Heilungsmission angezogen sind. Sie müssen bereit sein, Risiken einzugehen und einen tiefen Respekt allen Menschen gegenüber besitzen.

WIE KANN MAN DAS ORDENSLEBEN ALS MMM AM BESTEN ERKLÄREN?

Für Bernadette ist das Ordensleben als MMM eine Herausforderung für junge Leute, die darin besteht, den Geist des gegenseitigen Teilens zu entwickeln, die Verantwortung für sich selbst und andere anzunehmen und zu übernehmen. Es fordert sie heraus, stillsein zu lernen und durch andere präsent zu sein und das in einer Gesellschaft, die immer lauter, geschäftiger und egoistischer wird. In einer Gesellschaft, die durch Krieg, Hass und Armut zerrissen ist, bietet MMM als Lebensweg Liebe, Versöhnung und Hoffnung all denjenigen, die ohne Hoffnung sind.

In einer materialistischen Welt, die nur schwer loszulassen ist, scheinen junge Menschen kurzzeitige Bindungen zu bevorzugen. Das Ordensleben fordert junge Menschen von heute heraus den Wert einer Bindung zu sehen. Es verlangt von der Welt, sich mit Fragen bezüglich Treue, Bindung, Stabilität, Opfer und Sexualität zu beschäftigen. Es ruft uns dazu auf, mit Gott zusammenzuwirken, indem wir Menschen dabei helfen ihre Gaben dazu einzusetzen eine bessere Lebenswelt zu schaffen.

Dervilla sagt: "Da stimme ich Bernadette ganz zu. Wir leben in einer Welt des raschen Wandels, wo es ein sofortiges Verlangen nach Dingen gibt. Uns wird vorgetäuscht, dass diese uns glücklich machen werden. Beziehungen werden oft trivialisiert und Bindungen sind kurzlebig. Gleichzeitig gibt es aber eine ernste Suche nach Sinn und Erfüllung im Leben. Das Gelübde des geweihten Zölibats, das Gelübde zur Liebe, ist dasjenige, das die meisten Menschen verwirrt. Wie können wir das leben und uns dafür entscheiden, kein eigenes Zuhause, Familie oder Kinder zu haben? In Gesellschaften, in denen die politische Macht und Autorität korrumpiert wurde, ist das Gelübde zum Gehorsam, das als Gelübde zur Zusammenarbeit verstanden wird, eine Herausforderung. Die Armen in den Gesellschaften, in denen wir unsere Missionsarbeit führen, lehren uns durch ihre Armut den wirklichen Wert des Teilens, eines einfachen Lebens und Sparsamkeit, und wie Beziehungen sein können, die uns nähren. Für jede von uns und für die Novizinnen, die diese Gelübde wirklich leben wollen, ist es notwendig bestimmte Entscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen sind in der persönlichen Beziehung zu Jesus verwurzelt und in dem Glauben, dass wir versuchen daran mitzuwirken das Reich Gottes in einer zutiefst und gewaltsam geteilten Welt zu erschaffen."

WIE UNTERWEISEN SIE DIE NOVIZINNEN IM BETEN?

Gebet und Verbundenheit mit Gott ist den afrikanischen Völkern angeboren, so wie den Iren, sagt Dervilla. Unser tiefer Sinn für Spiritualität ist vorhanden, wenn wir mit diesem Bewusstseinsstand Kontakt aufnehmen können. Manchmal hängt es von der Besinnlichkeit der Person ab. In der Gemeinschaft wird die Zeit für gemeinsames Gebet und die Zeit für persönliches Gebet sorgfältig bemessen und Novizinnen werden in die liturgischen Vorbereitungen im Laufe des Jahres eingebunden. In Kursarbeiten sowohl innerhalb des Noviziats als auch in Gemeinde- übergreifenden Programmen bekommen sie viele Möglichkeiten des Erforschens und des Austauschs ihrer Entdeckungen darüber, was andere große geistliche Autoren gelehrt haben.

KANN EINE DIREKTORIN DES NOVIZIATS VON BERUFSZUFRIEDENHEIT SPRECHEN?

„Man kann sich keine erreichbaren Ziele setzen, wie in anderen Berufen," erzählt uns Dervilla. „Es ist der Geist Gottes, der hier die Leitung hat und ich bin eingeladen, mit dem Geist zusammenzuarbeiten und nicht im Wege zu stehen. Ich spüre, dass ich in den heiligen Bereich des Lebens einer Novizin eingeladen werde, wo ich das Mysterium Gottes berühre, wie es sich in der individuellen Geschichte jeder einzelnen Person entwickelt. Ich fühle mich privilegiert und bin dankbar die Novizin auf ihrem Weg des Glaubens, der Selbsterkenntnis und wachsenden Identität als MMM begleiten zu können." Zufriedenstellend? Ja. „Es erfüllt mich mit unbeschreiblicher Zufriedenheit diese großzügigen jungen Frauen wachsen und in ihrem Glauben reifen zu sehen, in ihrem Gefühl der Identität ihrer selbst und in MMM. Wenn ich sehe, wie sie sich für ein Leben der mitfühlenden Sorge um die Kranken oder Minderbemittelten entscheiden, dann fühle ich, dass mein Beruf lohnenswert ist."

Bernadette spricht auch von dem Gefühl auf heiligen Boden zu gehen und von der Suche der jungen Person nach Identität. „Es ist wirklich ein Wandeln auf heiligem Boden. Die Aufgabe die Frauen auf ihrem Glaubensweg zu begleiten, kann manchmal schwierig sein. Es ist beanspruchend und kostet Energie, aber es gibt auch etwas in diesen jungen Frauen, das mir Energie gibt. Es macht mich zufrieden in der Lage zu sein, einer jungen Frau Hoffnung in ihrem persönlichen Kampf um Identität zu geben. Es ist eine dankbare Aufgabe, wenn man sieht wie sich eine Novizin Schritt für Schritt aus ihrem Anfangsstadium entwickelt- manchmal voller Angst vor dem Ungewissen, besorgt um ihren Wunsch nach Bindung. Wie sie sich dann in eine Phase der Freiheit bewegt und an Verantwortung gewinnt und eine positiven  Einstellung zum Leben spürt."

WAS IST DIE WICHTIGSTE GABE FÜR IHREN BERUF?

tabernacleGeduld, da sind sich beide einig. Man ist selbst nicht federführend, sondern es ist der Heilige Geist, der alles leitet und man muss auf die Zeit des Geistes warten. In der Lage zu sein zu kooperieren und der Entwicklung nicht im Wege zu stehen und sensibel gegenüber der Entwicklung jeder einzelnen Person zu sein, ist eine große Herausforderung. Man muss wirklich gut zuhören können, Mitgefühl haben, offen sein für Unterschiede, sowohl für kulturell bedingte, wie auch bezogen auf Persönlichkeiten. Bernadette hebt hervor: „In gewisser Weise sind die Novizinnen unsere Spiegel! Sie rufen mich zur Aktion auf; zum harten und fortwährenden Erneuern meines Glaubens und eine Erinnerung an die Implikationen meines Ordenslebens. Wenn ich diese schönen jungen Frauen mit ihrer Begeisterung für und ihrem Interesse am religiösen Leben in dieser materialistischen und wetteifernden Welt sehe, werde ich daran erinnert wie viel Wunder und Werte ein religiöses Leben inne hat."

Dervilla sagt:" Eine der größten Herausforderungen in diesem religiösen Amt ist der permanente Wechsel der Mitglieder der Gemeinde. Das Noviziat dauert zwei Jahre, sodass unsere Mitgliedschaft sich oft verändert, wenn Novizinnen ihre Profess ablegen oder den Orden verlassen. Es gibt hier auch eine Fülle und einen Segen in diesem Amt, da neue Mitglieder aus vielen verschiedenen Nationalitäten und Kulturen kommen. Ich habe selten die Gelegenheit meine ehemaligen Novizinnen zu treffen, weil sie in weit entfernten Orten auf Mission sind. Ich weiß es wirklich zu schätzen, wenn ich von ihnen in ihren neuen Missionen in Brasilien, Nigeria, Malawi, Uganda höre und wie ihre erlebten Erfahrungen ihre Einsicht in den MMM Lebensweg herausfordern und vertiefen.

Tabernakel in der Kapelle des MMM Noviziats in Nairobi

 

 

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